Museum für Naturkunde Chemnitz: Die älteste Insektenplage der Erdgeschichte – Bedeutende Entdeckung in wissenschaftlicher Kooperation
- Redaktion

- 30. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Ein Team von Wissenschaftler:innen der Naturkundemuseen Chemnitz, Berlin, Münster und Osnabrück, der TU Bergakademie Freiberg und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg konnte mithilfe modernster Untersuchungsmethoden nachweisen, dass es Blattminen schon mehr als 40 Millionen Jahre früher gab als bislang angenommen.
Der Erstautor der dazu vorliegenden Publikation ist Michael Laaß, wissenschaftlicher Volontär am Museum für Naturkunde Chemnitz. Die Publikation ist Teil seiner Doktorarbeit, die er kürzlich an der TU Bergakademie Freiberg eingereicht hat.
Für die Untersuchungen standen den Forscher:innen die reichhaltigen
paläobotanischen Sammlungen der Naturkundemuseen Berlin, Schleusingen
und der Bergakademie Freiberg zur Verfügung, die sich als wahre
Schatzkammern für die Wissenschaft erwiesen: In diesen befanden sich
zahlreiche außergewöhnlich gut erhaltene Exemplare der fraglichen
Fraßspuren Asteronomus maeandriformis an Blättchen des Farnsamers
Autunia conferta, die aus ca. 295 Millionen Jahre alten Ablagerungen
aus dem Erdzeitalter Perm des kleinen ehemaligen Steinkohlenreviers in
Crock in Thüringen stammen.
Die perfekt erhaltenen pflanzlichen Fossilien ließen zweifelsfrei den
Schluss zu, dass Insektenlarven die Fraßgänge geschützt im Inneren der
Blätter erzeugten. Darüber hinaus gelang es, die zu den Fraßgängen
gehörenden Eiablagen zu identifizieren, die in einigen Fällen sogar
noch Reste von Insekteneiern enthielten. Spektakulär ist zudem die
Häufigkeit dieser Fossilien: Insgesamt waren mehr als 80 Prozent
aller Autunia-Pflanzen aus Crock einem Befall mit Blattminen ausgesetzt,
was zu Recht als älteste Insektenplage der Erdgeschichte bezeichnet
werden kann. Warum genau die Autunia-Pflanzen der Lokalität Crock
massenhaft befallen wurden, bleibt rätselhaft. Jedoch trat das Phänomen
zu einer Zeit globalen Wandels auf, in dessen Zuge die tropischen
Landökosysteme schrittweise trockener wurden.
Ob Landwirt:in, Gärtner:in oder Spaziergänger:in – jedem und jeder sind
wahrscheinlich schon einmal die verschlungenen Fraßgänge von
Insektenlarven im Inneren von Blättern aufgefallen, die auch als
Blattminen bekannt sind. Ein Leben inmitten pflanzlichen Gewebes hat
viele Vorteile: Gut geschützt vor Feinden, Austrocknung und störenden
Umwelteinflüssen steht den Larven wie der „Made im Speck“ ein fast
unerschöpflicher Nahrungsvorrat zur Verfügung. Blattminen werden
heutzutage ausschließlich von Insekten wie Käfern, Zweiflüglern, Wespen
und Schmetterlingen erzeugt, die eine vollständige Umwandlung
(Metamorphose) durchlaufen und daher als holometabole Insekten
bezeichnet werden. Sie sind sehr anpassungsfähig und entwickelten im
Laufe der Evolution schlanke, madenartige Larven ohne Körperanhänge, die
optimal an ein Leben im Inneren pflanzlicher Gewebe angepasst sind.
Bislang war unklar, wann diese Erfolgsstrategie bei den Insekten
entstand. Die bisher ältesten sicheren Nachweise von Blattminen stammten
aus der Trias, dem frühen Erdmittelalter.
Originalpublikation:
Laaß, M., Luthardt, L., Trümper, S., Leipner, A., Hauschke, N. &
Rößler, R. 2025: Host-specific leaf-mining behaviour of
holometabolous insect larvae in the early Permian. Scientific reports
15: 31241. https://doi.org/10.1038/s41598-025-15413-x 



