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News-Ticker

Kartoffel-Schwemme in Sachsen: Warum volle Lager nicht zu günstigen Preisen führen

  • Autorenbild: Redaktion
    Redaktion
  • 15. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit
Kartoffeln aus eigener Ernte

Sachsens Landwirte sitzen auf Bergen von Kartoffeln – und das ist kein Einzelfall. In einigen Regionen stehen Lager randvoll, einzelne Betriebe finden für mehrere tausend Tonnen keine Abnehmer. Paradox daran: Im Supermarkt merken Verbraucher davon kaum etwas. Weder fallen die Preise spürbar, noch tauchen mehr regionale oder „unperfekte“ Kartoffeln in den Regalen auf.


Wenn gutes Wetter zum Problem wird

Die Ursache liegt ausgerechnet in einer nahezu perfekten Saison. 2025 spielte das Wetter mit, Erträge fielen außergewöhnlich hoch aus, Krankheiten und Schädlinge blieben die Ausnahme. Das Ergebnis: eine der größten Kartoffelernten seit Jahrzehnten – deutlich mehr, als der Markt aufnehmen kann.


Was auf dem Feld nach Erfolg aussieht, wird im Lager schnell zum wirtschaftlichen Risiko. Denn Kartoffeln lassen sich zwar lagern, aber nicht unbegrenzt – und jeder zusätzliche Monat kostet Geld für Kühlung, Energie und Personal.


Sachsen: klein im Anbau, groß im Problem

Im bundesweiten Vergleich ist Sachsen kein Schwergewicht im Kartoffelanbau. Die Anbauflächen sind überschaubar, konzentrieren sich vor allem auf Regionen rund um Leipzig und Nordsachsen. Ein struktureller Nachteil kommt hinzu: Es fehlen große Verarbeitungsbetriebe wie Pommes-, Chips- oder Stärkefabriken, die Überschüsse abfedern könnten.


Damit ist der Freistaat besonders anfällig, wenn der Markt kippt.


Planung trifft Marktlogik

Kartoffelanbau gilt eigentlich als gut planbar. Viele Betriebe arbeiten mit Verträgen, die Abnahme und Preis vorab regeln. Doch ein Teil der Ernte wird „frei“ angebaut – in der Hoffnung auf gute Marktpreise. Genau hier liegt aktuell das Problem: Zu viel Ware trifft auf zu wenig Nachfrage. Selbst bestehende Verträge bieten nicht immer Sicherheit, wenn Händler lieber Strafzahlungen in Kauf nehmen, als Ware in einem übersättigten Markt unterzubringen.


Warum Kartoffeln im Laden kaum billiger werden

Trotz Überangebot bleibt der Preis im Handel erstaunlich stabil. Der Grund: Der Kartoffelpreis im Regal besteht nur zu einem kleinen Teil aus dem Erzeugerpreis. Energie, Logistik, Verpackung und Löhne schlagen deutlich stärker zu Buche.

Zudem wird ein Teil der Preissenkung „versteckt“ weitergegeben – etwa durch größere Verpackungseinheiten zum gleichen Preis. Für Verbraucher wirkt das wie Stillstand, obwohl sich der Kilopreis tatsächlich leicht bewegt.


Wo bleiben die „krummen Dinger“?

Bei vollen Lagern liegt die Frage nahe: Warum gibt es nicht mehr günstige Kartoffeln mit Schönheitsfehlern? Die ernüchternde Antwort: Solange genug makellose Ware verfügbar ist, lohnt sich für den Handel der Verkauf von Klasse-2-Ware kaum. Optisch perfekte Knollen verkaufen sich schneller – selbst in Zeiten des Überflusses.


Zwischen Biogas und sozialer Hilfe

Nicht verkaufte Kartoffeln landen oft in Biogasanlagen. Wirtschaftlich ist das für Landwirte kaum tragfähig, die Erlöse decken häufig nicht einmal die Produktionskosten. Hoffnung machen Initiativen, bei denen überschüssige Ware an soziale Einrichtungen verteilt wird. Das hilft kurzfristig – ersetzt aber keine verlässlichen Absatzstrukturen.


Was jetzt helfen würde

Kurzfristig lautet der Appell klar: mehr regionale Kartoffeln kaufen und verarbeiten – auch in Gastronomie, Kantinen und Gemeinschaftsverpflegung. Langfristig braucht es stabilere Märkte, mehr regionale Verarbeitung und eine ehrlichere Wertschätzung für Grundnahrungsmittel.

Denn die Kartoffel ist da. Die Frage ist nur, ob sie ihren Weg vom Feld auf den Teller findet – oder zum wirtschaftlichen Problem wird.


Tags & Keywords

Keywords: Kartoffelüberschuss Sachsen, Landwirtschaft Sachsen, regionale Kartoffeln, Kartoffelpreise Deutschland, Überproduktion Lebensmittel


Hinweis: Dieser Beitrag wurde auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen erstellt und journalistisch eigenständig aufbereitet. Einzelne Angaben orientieren sich an Berichten aus regionalen Medien, insbesondere zur aktuellen Entwicklung in der sächsischen Landwirtschaft.

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